Wenn es 3sat, arte und die nächtlichen Wiederholungen interessanter Wissensmagazine auf Phoenix nicht gäbe, hätte ich wahrscheinlich meinen Fernseher schon abgemeldet. Aber manchmal laufen doch noch kleine Perlen im FreeTV. So heute im ZDF der Film "Teknolust" [1] [2] in der Reihe das kleine Fernsehspiel. Und zum Glück sogar im Original mit Untertiteln, leider schon wieder eine geschnittene Fassung der 3-5min des Originals fehlen. (Dafür ab 12 anstatt ab 18, sehr witzig bei einer Sendezeit um 0.45 Uhr!)
Die Story: »Genforscherin Rosetta Stone hat eine Formel entwickelt, mit der sie ihre eigene DNS in ihren Computer herunterladen kann, um dort Replikantinnen zu züchten. Die drei von ihr produzierten Mischwesen aus Mensch und Maschine nennt sie Ruby, Olive und Marinne - alle drei werden ebenfalls von Tilda Swinton verkörpert. Sie funktionieren als allwissende "Portale" im Internet, wo sie Nutzern helfen, sich ihre Wünsche zu erfüllen. Außerdem sollen sie für Rosetta die Hausarbeit erledigen. Ihr einziges Manko ist, dass sie regelmäßig Dosen von männlichem Chromosom benötigen. Nach dem Beispiel alter Liebesfilme verführt Ruby wahllos Männer, um deren Sperma zu erbeuten, das sie später mit ihren Schwestern teilt. Dabei infiziert sie versehentlich ihre männlichen Opfer mit einem Computervirus, der Impotenz zur Folge hat. Das FBI beginnt zu recherchieren, da man einen bio-sexuellen Anschlag befürchtet. Rubys Ausflüge in die Realität führen dazu, dass sie Gefühle entwickelt. Sie verliebt sich in Sandy, einen einsamen Angestellten in einem Copy-Shop. Auch Rubys Schwestern Olive und Marinne beginnen, sich mit Ausflügen in die Realität selbstständig zu machen. Genforscherin Rosetta entgleitet die Lage. Alle Protagonisten sind auf der Suche nach Bedeutung in einem Leben, in dem es immer schwerer fällt, reale und künstliche Welten auseinander zu halten.«
Stimmen dazu:
filmkritiken.org: »Teknolust ist komisch, surreal und farbenfroh, eine kleine Feier des Kinos. Der Film streift zwar zahllose Themen in seinem Subtext - von der Genderdebatte über den Feminismus, eine angedeutete coming-of-age Geschichte inklusive Emanzipation, erste Liebe und Selbstbestimmung, aber vor allem ist Teknolust eben immer wieder eines: unglaublich witzig.«
Videowoche: »Die Schauspielerin Tilda Swinton ("The Beach"), dem Filmfreund von Welt v.a. bekannt als Muse des verstorbenen Regisseurs Derek Jarman, vervierfältigt sich sozusagen in diesem vom Zweiten Deutschen Fernsehen koproduzierten heiteren Science-Fiction-Spaß und Beitrag zur Klon-Debatte der Regisseurin und Videokünstlerin Lynn Hershman Leeson. Hintersinniger Geschlechterkampf und milde Gesellschaftssatire in bonbonbunter Optik, ein bekömmlicher Snack für Cineasten und aufgeschlossene SF-Fans.«
B. Ruby Rich, Sundance Film Festival: »Brillant. (...) the hippest 'cyber-fi' movie ever.«
Also ich fand den Film auch ziemlich witzig, und sowohl die Story dieser modernisierten Frankenstein-Variante als auch die Optik sehr interessant. Auf jeden Fall empfehlenswert.
Der Film ist auch auf DVD bei Amazon für lächerliche 7,95 EUR bestellbar, allerdings eine ab16 Version mit 79min, naja...
[1] http://german.imdb.com/title/tt0270688/
[2] http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,2032171,00.html
[3] http://www.amazon.de/Teknolust-Tilda-Swinton/dp/B0009EK6VK
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